Alte Tugenden, Podcast, Erfolgsrezepte 🇮🇹 · Macht Marke #23
Und KI natürlich, darf ja nie fehlen – die Juli-Folge
Liebe Marke-Machende,
KI ist eine Best Practice Maschine. Überblick zu aktuellen Vorgehensweisen geben und wohlformuliert zusammenfassen … das kann sie exzellent. Und auch Best Practices imitieren schafft sie prima. Nicht immer am besten, aber eben doch erstaunlich gut. Ohne Frage wird sich dank KI das Leistungsniveau für durchschnittliche Qualitäten steigern, einfach weil sie es für alle leichter verfügbar macht. Nur: wenn alles gleich gut ist, was ist dann besser? Was macht den Unterschied? Was ist nicht nur Best Practice, sondern Next Practice?
Hier begeben wir uns ins Ungewisse, Ungesagte und Ungeschriebene. Ein Raum in dem sich Maschinen, deren Spezialität es ist bereits Bekanntes nachzuplappern, nicht auskennen. Ein Raum in dem es nicht nur darum geht, den Erwartungen der Zielgruppe zu entsprechen – also das worauf uns Customer Centricity Evangelisten seit Jahren trimmen – sondern Neues zu etablieren, Glauben zu stiften und zu überraschen. Ein Raum in dem wir unsicher werden und ins stolpern kommen, wenn wir keine klares Bild von unserer Zukunft haben.
Und schon sind wir wieder mittendrin im Thema Marke, deren Superkraft es ist Orientierung, Sinn und Vertrauen zu geben. Sich von ihr führen zu lassen, ist gerade bei kontra-intuitiven Entscheidungen hilfreich. Etwa wenn man wieder beginnt Kataloge zu versenden, wie Conrad und Tchibo. Oder wenn man auf der Suche nach Fremdkapital für seine Expansion Aktien statt an Konzerne besser an Fans und Freunde verkauft, wie LemonAid & ChariTea (deren Gründer und Lucas alter Klassenkamerad Paul Bethke hier hörenswert bei OMR). Oder wenn man sich immer wieder aufs Neue ernsthaft für die wirklichen Erlebnisse der eigenen Kundschaft interessiert, wie der ehemalige Air New Zealand CEO Greg Foran.
Kataloge in digitalen Zeiten? Aktien nicht an den Meistbietenden, sondern die Sinnvollsten? Interesse am wirklichen Kundenerlebnis selbst in höchster Führungsfunktion? Das sind schon alles verdammt alte Tugenden, denen wir da große Zukunft vorhersagen. Aber hey, Marke ist halt auch eine uralte Methode. Nur eben noch immer brandaktuell.
Mit mächtig machbaren Grüßen,
Lucas und Dirk
PS.
Liane Siebenhaar hat für den Effie Award der GWA 1.500 Kampagnen-Cases ausgewertet und bestätigt eine weitere gern ignorierete Binse: 50-70% des Erfolgs von Kommunikationskampagnen hängt … an der Botschaft und ihrer Darstellung (dem sog. Creative). Wenn das mal kein Grund ist ordentlich Zeit, Geld und Muße in exzellente Kreation zu stecken, liebe Auftraggeber von Agenturen ;-)
Mit Mario Eckmaier auf eine 🛳️ kleine Hafenrundfahrt durch die Welt der Marke gehen. In seinem Podcast Der Marketing-Stratege hat er Lucas mit wunderbaren Fragen zu einem ein Sightseeing der besten Argumente rund um 'Führung über Marke' eingeladen:
Das Marke der gute Ruf ist, den alle Mitarbeitenden machen.
Warum Erfolg für Unternehmungen das Ergebnis und nicht das Ziel ist.
Das Marke ein Management-System sein kann und eine echte Superkraft für den Wandel.
und und und …
Was Lucas dabei am meisten erstaunt, wie erstaunlich all das auch nach Jahren noch ist. Alte Tugenden halt.
Passend zu seinem kommenden Buch Social Media verbieten? Verboten! durfte Dirk diese Woche im Deutschlandfunk seine Einschätzung zu den Plänen der EU-Kommission zu einem Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche teilen. Er sagt: “Es ist ein schönes Beispiel für Symbolpolitik.”
Morgen ist er übrigens in Augsburg auf der Sparkscon und erklärt, warum gute Laune deine Überlebensstrategie wird. Noch so eine alte Tugend.
Ganz einfach italienisch kochen. Und das dann – seit bereits 10 Jahren – online dokumentieren. Im eigenen Online-Magazin und dem zugehörigen, von Lucas heißgeliebten Rezept-Newsletter. Irgendwann kamen dann auch noch ein Online-Shop mit Lebensmitteln und selbstentworfenem Merchandise dazu. Nicht zu vergessen: Der augenzwinkernde Jahreskalender und die inzwischen fünf Kochbücher, viele davon preisgekrönt.
Die Grundidee klingt nicht sehr erstaunlich. Kochblogs und Rezeptwebsites gibt’s schließlich wie Sand am mehr. Doch die Dimensionen, in die das Splendido Magazin inzwischen vorgestoßen ist, sind bemerkenswert. Was haben sie also anders gemacht?
Marke. Sie haben Marke gemacht. Von Beginn an hatten Juri Gottschall und Mercedes Lauenstein eine klare und differenzierende Idee davon, wie sie die italienische Küche auffassen und darüber berichten wollen. Und der sind sie in geradezu stoischer Konsequenz gefolgt. Von der marktüblichen Vorgehensweise für das digitale Verbreiten von Kochwissen sind sie dabei vielfach abgewichen … einfach weil es nicht zu ihrer Idee gepasst hätte. Das muss man erstmal aushalten. Bei der Rezept-Notation verzichten sie, in alter italienischer Tradition, auf grammgenaue Angabe der Zutaten. Stattdessen Quanto Basta, so viel wie nötig. Und selbst bei den Zutaten heißt es oft man könne dies aber auch das hernehmen.
“Zu viel hängt unserer Meinung nach von persönlichem Geschmack und den individuellen Küchenbedingungen ab. Auf diese intuitiv zu reagieren und dabei am lebendigen Geschehen eigenmächtig zu lernen, macht einen guten Koch und den Spaß an der Sache aus. […] Der schönste Weg zu gutem Essen führt über Neugier und Risiko. Es ist wie im Leben, man kann noch so viele Ratgeber lesen, das Entscheidende passiert durch Erfahrung am eigenen Leib.”
Ihre Rezepte haben sie schon immer kostenlos verschickt. Und 450 davon stehen weiterhin kostenlos auf ihrer Website. Ohne das mit Google Ads oder Affiliate Links quer zu finanzieren. Denn stört uns all dieser ClickBait und die digitale Wegelagerei nicht alle? Stattdessen haben sie nach und nach ihren eigenen Shop geschaffen und mit besonderen oder sogar selbst entworfenen Waren befüllt. Mit substanzsatten Inhalten, attraktiver Schreibe, eigenständiger Bildsprache und wertvollem Layout haben sie ihren Nutzern sorgsam und liebevoll eine attraktive Welt mit hoher Typik gebaut. Wie mühsam. Und wie lohnend. Denn damit haben sie sich im Wettbewerb der Rezeptanbieter einen immer schwerer einzuholenden Vorteil erarbeitet.
Marken müssen Nerds sein in ihrem Thema (so steht’s in unserem Buch oder hier im Hörbuch ab 2:20). Das Splendido Magazin ist ein exzellentes Beispiel für diese These – und den Erfolg den das verspricht. Denn Juri Gottschall und Mercedes Lauenstein wählten ganz offensichtlich den Weg von der Wertschätzung zur Wertschöpfung. Und das Offensichtliche ist – wie ihr alle wisst – radikaler als man denkt.
*Wie soll ich mich denn melden, wenn ich mit euch sprechen will? Eine sehr gute Frage: unter lucas@machtmarke.info und dirk@machtmarke.info sind wir zu erreichen - und freuen uns auf Eure Anmerkungen!










